Anträge
05.11.2015, 08:39 Uhr
 
Entwicklung eines zukunftsorientierten Konzeptes zur Gestaltung und Verbesserung eines attraktiven Lebensumfeldes für alle Altersgruppen/Generationen in der Verbandsgemeinde Wörrstadt
Für eine zukunftsorientierte Kommune ist es von besonderer Bedeutung, dass sie ein attraktives Angebot für die unterschiedlichsten Altersgruppen bietet. Dies gewährleistet, dass sich die Bürgerinnen und Bürger wohl fühlen und dass sich Menschen neu in der Kommune niederlassen. Auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft ist es unerlässlich, bereits frühzeitig eine Bestandsaufnahme durchzuführen sowie sich Gedanken über die Unterstützung und Förderung der Generationen zu machen. Mit der Ratifizierung der UN Behindertenrechtskonvention sind darüber hinaus alle staatlichen Ebenen in Deutschland aufgefordert, sich für Teilhabemöglichkeiten, Wahlmöglichkeiten und den Abbau sämtlicher Benachteiligungen einzusetzen und umzusetzen.
So gilt es beispielsweise, das vorhandene Potential der verschiedenen Generationen und hierbei auch insbesondere der noch aktiven und engagierten Seniorinnen und Senioren zu nutzen. Für die Förderung des Verständnisses der verschiedenen Altersgruppen, ihrer Bedürfnisse und Wünsche, und damit der Zusammenhalt der Generationen, ist es wichtig, sich Gedanken über eine Kommune zu machen, die für alle Altersschichten attraktiv sein soll.

In unserer Verbandsgemeinde Wörrstadt haben wir bereits vielfältige Angebote für die hier lebenden Altersgruppen. Ein Schwerpunkt unserer Politik der vergangenen Jahre war die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Schaffung einer familienfreundlichen Verbandsgemeinde, gemeinsam mit den Ortsgemeinden und der Stadt Wörrstadt.

So haben wir in der Verbandsgemeinde und den Ortsgemeinden/Stadt bereits mit weiteren Akteuren ein Elternpatenschafts-Projekt realisiert, seit Jahren einen Jugendpfleger, die Schulsozialarbeit an den Grundschulen eingeführt, einen Streetworker eingestellt, die Ganztagsbetreuung an allen Grundschulen eingerichtet bzw. zwei Ganztagsgrundschulen etabliert, Ferienspiele ins Leben gerufen oder die Hausaufgabenbetreuung ausgebaut. All das sind Beispiele, wie wir die Verbandsgemeinde zu einer familienfreundlichen Kommune ausgebaut haben.

Darüber hinaus engagieren sich sog. „Rentnergruppen“, die in unseren Gemeinden helfen, Projekte umzusetzen oder die Gemeindearbeiter zu entlasten. Ebenso gibt es in den meisten Gemeinden regelmäßig Seniorennachmittage oder –Ausflüge. Die Verbandsgemeinde veranstaltet jährlich ein Seniorenkonzert und ist gerade dabei, das Familienhandbuch Teil 3 mit dem Schwerpunkt auf Informationen für Senioren herauszubringen.

Das neue Projekt „Bürgerbus“ ist ein weiterer Baustein für eine Verbesserung der Mobilität älterer Menschen.

Diese Aktivitäten gilt es weiterzuentwickeln bzw. auszubauen, wobei in den kommenden Jahren vor dem Hintergrund der Entwicklung unserer Gesellschaft ein großer Schwerpunkt auf die Schaffung eines attraktiven Umfeldes für Seniorinnen und Senioren gelegt werden muss.

Insgesamt handelt es sich bei dem Thema „Entwicklung eines zukunftsorientierten Konzeptes zur Gestaltung und Verbesserung eines attraktiven Lebensumfeldes für alle Altersgruppen/Generationen in der Verbandsgemeinde Wörrstadt“ um eine Querschnittsaufgabe der Politik, welche die unterschiedlichsten Bereiche und Handlungsfelder berührt.

Nachfolgend werden einige Punkte genannt, welche in einem solchen Konzept bearbeitet werden sollten:

Die bereits genannten Beispiele aus den Bereichen Mobilität, Rentnergruppen, Patenschafts-Projekte, usw. sind weiter zu entwickeln.

Die Mobilisierung bürgerschaftlichen Engagements beispielsweise durch eine Ehrenamtsbörse oder Börse, wo „Arbeitszeit“ angeboten wird, um anderen zu helfen, sollte angegangen werden. Beispielsweise könnten Personen älteren Menschen oder alleinerziehenden Eltern bei der Erledigung alltäglicher Dinge wie Einkaufen, Hilfen rund ums Haus, Kochen, usw. helfen. Weitere Beispiele wären die Betreuung von Familien beim Babysitten, helfen bei Alltagsfragen aufgrund des früheren beruflichen Erfahrungsschatzes, usw.

Das Thema Barrierefreiheit in öffentlichen (Bahnhöfe, Schulen, Gebäude, Bürgersteige, usw.) wie auch privaten Gebäuden (Restaurants, Geschäfte, usw.) muss verbessert werden.

Die Umsetzung des Themas „Inklusion“ im Sinne das alle Bürgerinnen und Bürger der Kommunen, egal welchen Alters oder Beeinträchtigung oder Herkunft, gleichberechtigt dabei sind, und alle Angebote wahrnehmen können ist vor dem Hintergrund der gesetzlichen Vorgaben voran zu bringen.

Die Themen Naherholung, Naturerlebnis, Entwicklung eines ILEK, Einkaufen im Ort (Stichwort „Einzelhandelskonzept“), kulturelle Angebote und Bildungsangebote (z.B. VHS) gehören ebenfalls zu einem attraktiven Lebensumfeld. Dies beugt auch der Vereinsamung vor.

Freizeitangebote, Gestaltung von Parks oder Plätzen für die verschiedenen Generationen (auch durch entsprechende Spielgeräte oder Geräte zur Förderung der Mobilität im Alter), um sich physisch wie psychisch vital zu halten, sollten angeboten werden.

Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden und anderen Organisationen auf diesem Gebiet.

Die Ortsentwicklung oder der Ausbau der Breitbandversorgung (DSL) sind weitere Handlungsfelder. Vor allem der DSL-Ausbau ist generationenübergreifend von Bedeutung (an diesem Thema arbeitet die VG bereits) im schulischen Bereich, in der Aus- und Fortbildung, im Beruf, für die Wirtschaft, aber zukünftig beispielsweise auch beim Thema Telemedizin.

Ein generationenübergreifendes Thema wird in den kommenden Jahren die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum sein. Viele unserer Arztpraxen in der VG stehen vor einer Übernahme und es ist selbst in unserer Region, welche noch eine attraktive Wachstumsregion ist, nicht immer gesichert, das Nachfolgerinnen oder Nachfolger für eine Praxis auch gefunden werden.

Die Themen Betreutes Wohnen, seniorengerechtes Wohnen, Senioren- und Pflegeheime sowie die Schaffung weiterer Angebote (aktuell teilweise noch zu wenig in der VG), Mehrgenerationenhäuser, ambulant betreute Wohngemeinschaften, Hausgemeinschaften, usw. sollten ebenfalls im Konzept bearbeitet werden. Wichtig sind wohnortnahe Angebote.

Die Organisation der Pflege, die Unterstützung Angehöriger und eine entsprechende Beratung z.B. gemeinsam mit Pflegestützpunkten des Landkreises, der Ausbau von Angebote oder der Beratung, das Anbieten von Vortragsreihen, Pflegekursen für Angehörige oder andere Fortbildungsmöglichkeiten sind weitere Handlungsfelder. Hier gilt es die Zusammenarbeit mit Pflegediensten wie Sozialstationen, privaten Diensten, usw. auszubauen. Vor allem geht es hierbei auch um die strukturelle Vernetzung von Angeboten. Dabei geht es auch um ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in der eigenen Häuslichkeit. Wichtig ist hierbei, keine Doppelstrukturen zu schaffen, sondern zu kooperieren.

Ein Thema wird auch sein, ein seniorenfreundliches Klima in der Kommune zu schaffen – so wie wir es im Bereich „Familienfreundlichkeit“ seit Jahren tun – sodass die Zivilgesellschaft, das soziale Umfeld, die Nachbarschaft, usw. auch im Alltag auf die Belange älterer und pflegebedürftiger Menschen achtet. Hierzu gehört z.B. Angebote zu entwickeln, dass ältere Menschen nicht vereinsamen oder Bürger bezüglich diesem Thema zu sensibilisieren. Gegen Vereinsamung könnte beispielsweise eine Stätte der Begegnung bzw. Kommunikation geschaffen werden. Das könnte ein kleiner Platz in der Kommune sein, der nett und barrierefrei gestaltet werden muss, ausgestattet mit Bänken zum Ausruhen und Gespräch.

All dies sind Beispiele für eine gute Zusammenarbeit von Jung und Alt und die Nutzung der Potentiale für die Gesellschaft sowie Steigerung des Wohlbefindens der Senioren („wir werden noch gebraucht“).

Die Aufgaben für diesen Bereich könnten z.B. in einem „Generationenbüro“ in der Verwaltung als zentrale Anlaufstelle für Information, Beratung und Koordination aller sozialer Belange für Kinder, Familien, Seniorinnen und Senioren und anderen interessierte Bürgerinnen und Bürger gebündelt werden.

Finanziell sollte auch geprüft werden, ob vielleicht Firmen, Krankenkassen, andere Institutionen aus den genannten Bereichen mithelfen, einige Projekte finanziell zu unterstützen.

Der zuständige Ausschuss soll gemeinsam mit der Verwaltung ein Konzept entwickeln und Strukturen vorschlagen, wie man die genannten Ziele umsetzen kann. Die Verwaltung soll vorschlagen, wie dies in der Verwaltung organisatorisch und personell gestaltet werden kann.